Die Marianische Bruderschaft der Pfarrei St. Briktius, Kues


Die Marianische Bruderschaft der Pfarrei St. Briktius, Kues Eine religiöse Gemeinschaft von 27 Männern, deren Ursprung bis ins Mittelalter zurückreicht, bildet die Marianische Bruderschaft. Sie steht unter dem Schutz ihrer Patronin, der Gottesmutter Maria. So heißt der Titel eines Bruderschaftsbuches aus dem Jahr 1651: “kein Schutzkind Mariae wird ewiglich verlohren.“

Zwei alte Bücher der “fraternitatis beatae Mariae virginis cusae renovatus anno 1651“, die im Trierer Bistumsarchiv aufbewahrt werden und in lateinischer Sprache und in Sütterlin- Schrift geschrieben sind, enthalten Bruderschaftsregularien und Statuten, neu gefasst nach einem Buch aus dem Jahr 1568.

Nach mündlicher Überlieferung soll die Zahl 27(festgelegte Anzahl der Brüder) daraus resultieren, dass 27 Familien eine Pest im Jahre 1651 überlebt hätten und zum Dank die Bruderschaft gründeten, doch das Totenregister der Kueser Pfarrei berichtet nichts von einem großen Sterben. Ein Indiz dafür, dass die Gründung der Bruderschaft noch vor der Zeit des Cusanus lag, könnte die Tatsache sein, dass Nikolaus von Kues bei der Stiftung des Hospitals 1458 auch diese Zahl 27 im Auge hatte, als er für 33 arme Männer, 27 Laien und sechs Geistliche, Unterkunft schuf. Außerdem soll die Pfarrei Cues im Jahr 1463 aus 27 Familien (= Feuerstellen) bestanden haben.

Brudermeister der „ Marianischen Bruderschaft“ ist derjenige, der am längsten Mitglied ist. Er war früher Zensor und Aufseher für alle Brüder. Er musste über die Statuten wachen und“ die Lebensführung der 27 Männer fleißig im Auge behalten“. Die Bruderschaft wird beim Tod eines Bruders in der Familie weitervererbt. Gibt es keinen Erben, wird einer der Bewerber von den Brüdern gewählt. Er muss „ehrbar, gottesfürchtig sein und einen christlichen Lebenswandel haben“.

Bruderschaft 2012
Marianische Bruderschaft 2012

Im Bruderschaftsbuch, dessen erste Eintragung aus dem Jahr 1781 stammt, sind neben den eingetragenen Namen der Mitglieder, der Verstorbenen und jeweils Neueingetretenen, 15 Regeln aufgestellt, nach denen sich die Brüder jährlich bis in die heutige Zeit am „1. Freytag post cineres“ ( erster Freitag nach Aschermittwoch) zur Bruderschaftsfeier versammeln:

Am Vorabend treffen sich die Brüder zur Vesper, am Freitag zur Messe zu Ehren ihrer Schutzpatronin Maria und beten für die lebenden Brüder und am darauf folgenden Samstag wird eine Messe für die verstorbenen Brüder gehalten. Im Anschluss an die Freitagsmesse , die mit dem Lied “Maria breit den Mantel aus“ zu Ehren der Gottesmutter endet, kommen die Männer zusammen, um gemeinsam das Mahl in „brüderlicher Einigkeit, mit Friede, Furcht Gottes und ehrbarem Gespräch zu genießen“. Das heißt, keiner darf mit einem seiner Brüder in Streit leben, ein eventueller Streit muss vorher vom Brudermeister geschlichtet werden. - Zum Mahl werden auch die Zelebranten der Bruderschaftsmesse eingeladen. Ausgerichtet wird das Mahl von einem der Brüder - in einer bestimmten Reihenfolge. Ein durch den Tod eines Bruders neu Eingetretener unterbricht diese Reihenfolge jedes Mal und richtet im folgenden Jahr das Mahl aus. Serviert wird traditionell nur von Männern. Der Brudermeister eröffnet das Mahl mit dem Tischgebet, dem Vater unser und einem „Gegrüßet seist du Maria“.
Die Speisenfolge 1651 war gemäß der Fastenzeit: „Brodt, Fiselen ( Grieben), Weiß Erbiß ( Erbsen), Botter, Gwürtz, Saltz, Zwiebelen, Stockfisch, Haering, Grünfisch, Pfefferbrodt, Lebkuchen, Apfel, Nüss und Wein, in alten irdenen Krüglein gefüllt“.
Heutzutage reicht man Erbsensuppe mit Butterrösti, Kochfisch und gebackenen Moselfisch ( wer will, kann Kartoffeln dazu bekommen) und Wein des letzten Jahrganges in Trinkkrüglein und anschließend Gebäck. Nach dem Essen wird noch je ein Vater unser und ein„ Gegrüßet seist du Maria“ gemeinsam gebetet ,eines als Tischgebet, ein zweites für alle Verstorbenen und noch eins für den Bruder, der als nächster stirbt, sowie abschließend das Gebet gesprochen: “Unter deinem Schutz und Schirm…“

Im Laufe des Kirchenjahres führen die Brüder an Hochfesten wie „Ewig Gebet“, Kirchweihfest… und Fronleichnam ihre Bruderschaftsfahne mit. Die „Lilien“ mit Kerzen, sowie die 400 Jahre alten Laternen werden auf der Fronleichnamsprozession von den jüngsten Brüdern neben dem Allerheiligsten getragen. - An der Beerdigung eines Bruders wird der Verstorbene von sechs Brüdern zu Grabe getragen.
Ein besonders schönes Erlebnis wurde den Brüdern im Jahr 2003 auf der Rom-Pilgerreise zuteil, als sie von Papst Johannes Paul II in dessen Privat- kapelle empfangen wurden und mit ihm die heilige Messe feiern durften.

So prägen lebendiger Glaube und das Bewahren der Vereinigung den Geist der Marianischen Bruderschaft bis heute.


(Text: Paul Coen / Foto: Claudia Bechtel)