Kaisertadt Aachen - Das Hilfswerk MISEROR

Am Montagmorgen, 05.08.2013, startete eine Gruppe von 42 Personen zu einer Studienfahrt nach Aachen (angeboten von den Frauengemeinschaften Kues und Lieser im Rahmen der KEB Mittelmosel), wo eine weitere Teilnehmerin sich anschloss.

Zuerst besichtigten wir unter sachkundiger Führung der Studenten Erik Bremen und Markus Handke den Dom. Den Zentralbau der Kirche bildet die achteckige Kapelle der von Frankenkönig und Kaiser Karl dem Großen (768 – 814) errichteten Pfalz. Der prachtvoll

ausgemalte Innenraum und die Zahlensymbolik sollen das Abbild des himmlischen Jerusalems sein. Der Dom ist die Grabeskirche Karls des Großen und seit 936 war die Pfalzkapelle fast 600 Jahre Krönungsort der deutschen Könige mit einer zweiten Thronsetzung auf dem Karlsthron.

Der Dom unter dem Patrozonium der heiligen Maria ist zugleich ein Wallfahrtsort. In einem 7-jährigen Turnus werden die Windeln und das Lendentuch Christi, das Marienkleid und das Enthauptungstuch Johannes des Täufers gezeigt. Die nächste Heiligtumswallfahrt ist 2014.

Am Nachmittag stand ein Besuch in der Misereor-Geschäftsstelle auf dem Programm. Zunächst stellte uns Dagmar Schumann (aus Lieser gebürtig), Beratrein für Wirkungsorientierung, MISEREOR, das Bischöfliche Hilfswerk der Katholischen Kirche, vor. Es wurde 1958 auf Initiative des Kölner Erzbischofs Joseph Kardinal Frings und katholischer Verbände von den deutschen Bischöfen gegründet. Jesu Wort vor der wunderbaren Brotvermehrung "Misereor super turbam" (Mk 8,2) - "Mich erbarmt des Volkes", das hungerte - gab den Namen. MISEREOR hilft den Ärmsten der Armen. Gemeinsam mit einheimischen Partnern unterstützt es Menschen jedes Glaubens, jeder Kultur, jeder Hautfarbe seit der Gründung durch Förderung von ca. 100 000 Projekten in Afrika, Asien, Ozeanien und Lateinamerika mit mehr als 6,3 Mrd. €.

Die jährliche Fastenaktion soll den Pfarrgemeinden die Lebenswelt der unter Armut und Ungerechtigkeit leidenden Menschen nahebringen, dieses Jahr unter dem Leitgedanken „Wir haben den Hunger satt!“ Das aktuelle Hungertuch wurde präsentiert, gestaltet von der bolivianischen Künstlerin Ejti Stih unter dem Thema „Wie viele Brote habt ihr?". Eine Hungertuchwallfahrtsgruppe hatte am 14.02. in Kues Station gemacht.

Anschließend lernten wir ein Frauenprojekt in Rio de Janeiro kennen durch einen Vortrag von Annette Roensch, Projektbegleiterin Brasilien und Venezuela, die dieses kürzlich besucht hat.

Was die Situation der Frauen in Brasilien anbelangt, so gelten besonders in den armen Familien machistische Strukturen: die Unterordnung der Frau unter den Mann, häusliche Gewalt durch diesen. Frauen müssen schön sein. Frausein und dunkle Hautfarbe führen zu einer doppelten Diskriminierung.

Das Projekt CAMTRA (Casa da Mulher Trabalhadora = Haus der Arbeiterin), gegründet 1997, richtet sich an arme Mädchen und Frauen mit ihren Problemen im häuslichen und beruflichen Umfeld. CAMTRA ist Anlaufstelle für die betroffenen Frauen durch Beratung und Weiterleitung ihrer Anliegen, erreicht sie in ihren Wohnvierteln z.B. durch Kurse, Informationsaktionen über Frauenrechte, Kontakt mit Schulen und Lehrern und leistet politische Lobbyarbeit. Die Mädchen und Frauen erfahren ihre eigene Wirksamkeit, werden in ihrem Selbstbewusstsein gestärkt, bauen sogar eigenständig neue Projekte auf und tragen durch politisches Engagement letztlich zur gesellschaftlichen Veränderunn bei. Eine Kollekte für CAMTRA bzw. Frauenprojekte in Brasilien erbrachte 207,40 €. R.M.K.